Tierpark Historie

Geburtsstunde des Hammer Tierparks am 6. August 1933.

Ludwig XIV. von Frankreich ging als ,,Sonnenkönig" in die Geschichte ein. Er war nicht nur bekannt für seine Prunksucht, sondern auch für seine ausgefallenen Ideen. Eine davon ließ er in den Jahren 1662 bis 1668 verwirklichen, als er die erste Menagerie in Europa errichten ließ, um dort Wildtiere zu halten. Seinem Beispiel folgten die Österreicher erst fast 100 Jahre später am Schloss Wien-Schönbrunn. Der erste Zoologische Garten wurde hingegen 1828 in London eröffnet. Berlin folgte im Jahr 1844.

Völlig neue Wege der Zurschaustellung von Tieren beschritt Karl Hagenbeck in seinem 1907 fertig gestellten und inzwischen weltberühmten Tierpark in Stellingen bei Hamburg. Diese Neuigkeit wurde in dem Lehrbuch und Nachschlagewerk ,,Grundlagen" zum Thema Zootierhaltung zusammengefasst, in dem sogar der wissenschaftliche Berater des Hammer Tierparks, Dr. Karl Kaiser, mit einem umfangreichen Bericht über ,,Das Tierreich im Überblick" zu Wort kommt.

Die Eröffnung des Hammer Tierpark 1934 wurde durch die Mitglieder der ,,Bürgerinitiative Tierpark", wie man sie heute nennen würde, angeregt. Orientierung bot der Zoologische Garten in Münster, welcher durch Professor Dr. Hermann Landois gegründet und bereits im Juni 1875 eröffnet wurde.

Kein Professor, sondern ein bescheidener Buchbinder stand bei der Tierpark-Gründung in Hamm Pate. Fritz Vogel hatte bei einem nächtlichen Spaziergang durch die Lippewiesen die Idee, einen Tierpark zu bauen. Und es funktionierte. Nicht zuletzt mit Unterstützung der Hammer Stadtverwaltung, die den Südenstadtpark, damals ein Waldgelände wie heute das Pilsholz, zur Verfügung stellte.

Alles andere aber musste der Verein allein schaffen. Der Beitrag, den 100 Mitglieder mit zehn Pfennig pro Monat bei der Eröffnung 1934 leisteten, war nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Selbsthilfe war gefragt. Und so schüppten und zimmerten die Mitglieder in jeder freien Stunde und nutzten jede Gelegenheit, Spenden für die Fütterung der Tiere zu bekommen. Anfangs bestand die Besiedlung des Tier- und Pflanzengartens nicht aus Löwen, Tigern oder Elefanten. Fritz Vogel gab sich zunächst mit Fasanen, Meerschweinchen, Wellensittichen und Kanarienvögeln zufrieden. Im Laufe der Zeit gesellten sich Damhirsche, Rehe, Füchse und auch ein Dachs hinzu. Schließlich wollte er der Bevölkerung vor allem die heimische Tierwelt nahebringen.

Erdmännchen
Von Erdmännchen, die heute die Attraktion des Tierparks sind, konnte 1951 natürlich noch keine Rede sein.

Der Park im Süden von Hamm wurde für die Bürger schnell zu einer unverzichtbaren Oase, die mit ihrem Waldcafé und verschiedenen Unterhaltungsangeboten für Schlagzeilen sorgte. Alles, was die Gründer mit eigenen Händen aufgebaut hatten, wurde im Bombenhagel am 20. April 1944 zerstört. Nach einer privaten Zählung fielen während des Krieges mehr als 166 Bomben auf das Gelände. Die Zerstörungen gingen nach dem Krieg zunächst weiter, da ein weiterer Teil des Baumbestandes als Brennholz von der Bevölkerung genutzt wurde.

Doch die Tierparkgründer gaben nicht auf, obwohl Fritz Vogel durch den Fall an der Front nicht mehr mitmachen konnte. Seine Frau Agnes aber war wieder dabei, als im März 1949 der Verein neu ins Leben gerufen wurde. Diesmal machten auch Oberbürgermeister Ferdinand Poggel und Stadtdirektor Peter Röttgen mit. Gegen Ende des Jahres 1949 war es schon wieder gelungen, 800 Mitglieder für die gute Sache zu gewinnen. Freiwillige gingen Abend für Abend mit Hacke und Schaufel ans Werk. Als erste Tiere fanden schließlich ein Fuchs, vier Meerschweinchen und einige Kaninchen, sowie ein Mäusebussard und drei Falken ihre Heimat im Tierpark. Um den Tierbestand zu erweitern wurden beim Tierpark Hagenbeck Affen bestellt und im Sauerland Rehe und Hirsche.

Am 1. Pfingsttag 1951, dem 13. Mai, konnte der Tier- und Pflanzengarten wieder offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. 4 000 Besucher kamen trotz unfreundlicher Witterung in den Park, der inzwischen über 300 Tiere verfügte. Städtische Zuschüsse wurden damals und auch später noch nur spärlich gewährt. Aber der Tierparkverein in Hamm ließ sich nicht unterkriegen, Der Tierbestand wuchs stetig. 1982 kamen große Gehege für sibirische Tiger und Löwen hinzu. Im gleichen Jahr konnte das mit Hilfe der Stadt gebaute Naturkundemuseum feierlich eröffnet werden, welches die Attraktivität des Parks erheblich steigerte.

Mit den zoologischen Auflagen wuchsen die Aufgaben des Tierparks, die ein Verein alleine schließlich nicht mehr leisten konnte. Die Buchführung konnte nun nicht mehr, wie zu Anfang, in zwei Ordnern und einer Zigarrenkiste Platz finden. Aufgrund dieser Problematiken übernahm die Lebenshilfe Hamm  die Federführung für die Tierpark gGmbH im Jahre 2005. Ein zweijähriges Interims-Management der PROVA Unternehmensberatung aus Hamm hat für die Umsetzung der ersten Maßnahmen des Zukunftskonzeptes aus dem Jahr 2013 gesorgt. Ziel war es, das Management des Tierparks Hamm langfristig auf sichere Füße zu stellen.

Seit dem 01.01.2016 ist die Tierpark Hamm gGmbH eine 100%ige Tochtergesellschaft der Stadt Hamm mit dem hauptamtlichen Geschäftsführer Kay Hartwich und einem eigenen Aufsichtsrat.