Tierpfleger, Tierärzte, Gärtner, Handwerker, Forschende, Pädagogen: In wissenschaftlich geführten Zoos sorgen Menschen aus Dutzenden Berufen gemeinsam für Tierwohl, Artenschutz, Forschung und Bildung – oft lange bevor die ersten Besucher kommen und natürlich auch kommenden Sonntag, dem offiziellen Welttierschutztag.
Morgens um acht Uhr ist es in den Revieren im Tierpark Hamm noch still. Nur die Tierpfleger sind schon unterwegs, schließen Türen auf, begrüßen ihre Schützlinge und schauen genau hin: Hat das Tier gefressen? Bewegt es sich wie gestern? Ist es aufmerksam? Beobachtungen wie diese stehen am Anfang eines jeden Arbeitstages in einem modernen Zoo, von dem Besucher kaum etwas mitbekommen.
So oder ähnlich beginnt der Morgen in den 71 wissenschaftlich geführten Zoos im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien. Rund 41 Millionen Gäste besuchen diese Zoos im Jahr. Sie kommen wegen der Tiere. Was sie selten sehen: das große Team, das sich für die Tiere einsetzt.
Vor fast 100 Jahren wurde am 4. Oktober der Welttierschutztag ausgerufen, um auf die besondere Verantwortung der Menschen für die Tiere aufmerksam zu machen. In den Zoos ist das gelebte Realität – an jedem Tag im Jahr.
Von der Futterküche bis zur Werkstatt
Tierpfleger begleiten ihre Tiere oft über viele Jahre und kümmern sich tagtäglich um das Wohl ihrer Schützlinge. Tierärzte behandeln am Vormittag ein Zebra und am Nachmittag ein Kaninchen, kümmern sich um Impfungen und überwachen die Gesundheit der Tiere. Biologen planen, welche Tiere genetisch gut zusammenpassen und wie ein Lebensraum im Zoo gestaltet sein muss, damit die Bedürfnisse der tierischen Bewohner erfüllt sind. Gärtner pflegen den teils sehr alten Baumbestand auf dem Gelände oder schneiden Futter für die Tiere. Handwerker bauen Kletterbäume, Schlafkisten und Rückzugsorte. Zoopädagogen zeigen Schulklassen, wie ein Tier lebt und erklären, warum es im natürlichen Lebensraum bedroht ist. Dazu kommen Reinigung, Verwaltung, Kasse, Gastronomie und viele mehr. VdZ-Zoos schaffen über 7.000 Arbeitsplätze im deutschsprachigen Raum.
„Tierwohl entsteht nicht auf dem Papier, sondern wird jeden Tag gelebt. Es braucht ein Team von gut ausgebildeten Menschen – im Stall, in der Werkstatt, im Management und in der Verwaltung“, sagt Volker Homes, VdZ-Geschäftsführer. „Um die Aufgaben der Zoos umzusetzen brauchen wir Expertinnen und Experten mit sehr unterschiedlichen Berufen, die das gemeinsame Ziel haben: Den Tieren geht es gut! Wir lernen jeden Tag mehr über sie und geben dieses Wissen und die Begeisterung auch an unsere Besucher weiter. Und wir teilen es mit einem großen globalen Netzwerk mit vielen aktiven Partnern, denn nur gemeinsam können wir bedrohte Arten schützen.“
Lernen, forschen, staunen
Für viele Menschen ist der Zoo der erste Ort, an dem sie einem Tiger, einer Eule oder einem Nashorn gegenüberstehen. Oder es ist die seltene Gelegenheit, einem Tier nahe zu sein, beispielsweise eine Ziege zu streicheln oder ein Alpaka zu füttern. Zoopädagogen machen daraus Unterricht zum Anfassen, mit Führungen, Schulprogrammen und Projekttagen. Jährlich nehmen rund 1,2 Mio. Zoobesucher an über 170.000 speziellen Bildungsangeboten der VdZ-Zoos teil.
Im vergangenen Jahr fanden im Tierpark Hamm knapp 500 Bildungsveranstaltungen statt. „Zoos bieten eine Möglichkeit verschiedensten Tieren unmittelbar zu begegnen“, sagt Janosch Siepmann, Zoopädagoge im Tierpark. „Besuchende lernen nicht nur, dass es verschiedene Tierarten gibt, sie lernen sie ganz persönlich kennen, verstehen ihre Eigenheiten und begreifen, was Biodiversität wirklich bedeutet. Die direkte Begegnung mit der tierischen Persönlichkeit ermöglicht es eine eigene Beziehung zu entwickeln und die Tiere unserer Welt lieben zu lernen.“
Teamarbeit als Brücke zwischen Zoo und Natur
Mehrere hundert wissenschaftlich geführte Zoos in ganz Europa stimmen sich ab, welche Tiere in welchem Zoo leben und Nachwuchs bekommen. So bleiben gesunde, genetisch vielfältige Bestände bedrohter Arten erhalten. Was das bewirken kann, zeigen Tiere wie der Europäische Wisent, der Luchs, der Feldhamster, das Przewalskipferd, der Gänsegeier, der Waldrapp, die Europäische Sumpfschildkröte und noch viele weitere, die wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum angesiedelt werden können. Dabei arbeiten Zoos eng mit Universitäten, Naturschutzorganisationen und Behörden zusammen und unterstützen Schutzprojekte vor Ort.
59 Millionen Euro haben VdZ-Zoos alleine in den vergangenen fünf Jahren in Natur- und Artenschutzprojekte weltweit investiert. Jährlich wildern sie in gemeinsamen Projekten rund 500 Tiere aus rund 20 gefährdeten Tierarten in Europa aus und zusätzlich über 230.000 Insekten, Amphibien und Fische. Und sie engagieren sich mit Personal, Expertenwissen und Sachspenden in mindestens 155 Projekten in 55 Ländern weltweit.
Der Tierpark Hamm arbeitet auch dieses Jahr beispielsweise mit der ABU Biologischen Station Soest zusammen, um die in NRW vom Aussterben bedrohte Gelbbauchunke zu retten. Bislang konnten dieses Jahr durch die Kooperation bereits 100 Tiere hinter den Kulissen des Tierparks nachgezüchtet und in verschiedenen Naturschutzgebieten im Kreis Soest ausgewildert werden. Christian Härting von der ABU Soest ist sehr dankbar über diese Zusammenarbeit: „Wir sind auf die Kooperation angewiesen, da der Tierpark Hamm das Know-how hat die Art zu halten, zu vermehren und zu züchten, sodass wir die zwischenvermehrten Gelbbauchunken in den Gebieten im Kreis Soest wieder auswildern können.“.
„Heute sind viele Mitglieder des VdZ Teil des Netzwerks der Weltnaturschutzunion IUCN und Experten aus Zoos leisten einen direkten Beitrag zur Arbeit der IUCN-Kommission für das Überleben gefährdeter Arten. Durch diese Zusammenarbeit unterstützen das Wissen und die Fachkompetenz der Zoogemeinschaft den Artenschutz sowohl in der Wildnis als auch durch die Haltung bedrohter Tierarten“, sagt Her Excellency Razan Khalifa Al Mubarak, IUCN-Präsidentin. „Der Verband der Zoologischen Gärten spiegelt dieses Engagement wider. Die Zoos dieses Verbandes begrüßen jedes Jahr Dutzende Millionen Besucher, leisten Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung und unterstützen Schutzprojekte auf der ganzen Welt. In einer Zeit, in der der Verlust der biologischen Vielfalt eine der größten modernen Herausforderungen darstellt, sind Partnerschaften wie diese wichtiger denn je.“